Der Walliser Bergfloh

Steve Morabito ist einer der erfolgreichsten Schweizer Radrennfahrer. Seine Heimat und sein Trainingsgebiet ist das Wallis, besser gesagt die kurvigen Bergstrassen mit ihren furchterregenden Höhenunterschieden. Kein Wunder, wird der Edelhelfer auch «Walliser Bergfloh» genannt. Dieses Jahr freut er sich besonders darüber, dass die Tour de France im Wallis haltmacht. Und: Er verrät seine Lieblingsstrecken.

Chandolin, ganz hinten im Val d’Anniviers, ist sein Rückzugsort. In Zeiten ohne Rennen kommen seine Frau Virginie und er in eine Ferienwohnung am oberen Ende des Dorfes. «Hier können wir ausspannen. Von der Terrasse aus sehen wir bis zum Matterhorn und geniessen die wunderbare Landschaft», sagt der 33­jährige Radprofi. Hier in Chandolin haben sie auch ihre Hochzeit gefeiert, vor drei Jahren, mit Freunden und Radstars aus aller Welt. Seit zehn Jahren ist Steve Morabito Profi. Begonnen hat er im Schweizer Phonak­Team, heute ist er in der Mannschaft von La Française des Jeux FDJ. Zwischen 2010 und 2014 war er Mitglied des Teams BMC Racing und dabei Edelhelfer von Cadel Evans, dem Tour­de­France­Sieger 2011. Einen Teil dieses Erfolgs kann sich Steve Morabito auf die Fahne schreiben: In den Bergetappen der schwersten Tour der Welt war er es, der das Team vorwärtszog und seinem «Chef» zu Höchstleistungen verhalf. In den letzten Jahren klassierte er sich in der Tour de Suisse mehrfach unter den ersten zehn und gewann 2006 die Etappe in Leuk, in seinem Heimatkanton. «Das war für mich ein grossartiger Moment, an den ich mich immer noch erinnere – all die Leute im Dorf, der Jubel und die Freude, dass ich gerade hier gewinnen konnte.»

Velo, Steve Morabito, Wallis
Seit zehn Jahren ist Steve Morabito Profi. Begonnen hat er im Schweizer Phonak­Team, heute ist er in der Mannschaft von La Française des Jeux FDJ.

Das Leben eines Radprofis ist hart. Und das Training besteht aus Tausenden Kilometern, die absolviert werden müssen. So auch in den «Ferien»: Morabito holt sein Tenue hervor, schultert das Velo und macht sich bereit. Von Chandolin im Höllentempo nach Siders hinunter, auf der anderen Seite des Rhonetals nach Crans­Montana rauf und das Ganze wieder zurück, über 1400 Höhenmeter allein zwischen Sierre und Chandolin. Auch seine Frau Virginie ist passionierte Velofahrerin, oft machen sie Touren zusammen. Über Pässe, in versteckte Täler und auch mal entlang der Rhone.

Virginie und er, das ist nicht nur die grosse Liebe, sondern auch ein perfektes Team: Als Physiotherapeutin sorgt sie dafür, dass er sich gut erholt und eventuelle Zerrungen und Verletzungen rasch verheilen können. «Wenn möglich, gehe ich auch mit ihm an Rennen. Bei den grossen wie der Tour de France komme aber auch ich nicht an ihn ran, dann reisen wir, die Freunde von Steve, an den Strassenrand, machen Raclette und jubeln ihm zu.» Dieses Jahr ist das gleich mehrfach der Fall: Sowohl die Tour de France als auch die Tour de Suisse und die Tour de Romandie haben einen Etappenhalt im Wallis, und in Martigny findet die Schweizer Meisterschaft statt. «Vor allem der Etappenort der Tour de France beim Staudamm Finhaut Emosson auf 1960 Metern wird spektakulär.» Virginie wird viele Stunden vorher einen Platz reservieren, um parat zu sein, wenn Steve nach der Fahrt von Bern über den Col des Mosses und den Col de la Forclaz eintrifft. Bis dahin trainiert Steve weiter, an Rennen – und in den Walliser Bergen.

Text: Monique Ryser   Bilder: Sédric Nemeth und Ilse Bekker 

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