Daniel Jeitziner

Daniel Jeitziner, ehemaliger Safran-Zunftmeister von Mund und Vollzeitopa.

In der kleinen Oberwalliser Ortschaft Mund wird auf 1200 Meter Höhe eine Pflanze kultiviert, die man nirgends sonst in Zentraleuropa findet: der Safran. Die traditionelle Anbaumethode wird von der  afranzunft sichergestellt, die rund 200 Mitglieder zählt. 135 unter ihnen sind Produzenten. Daniel Jeitziner, 69 Jahre alt, gehört zu ihnen.

Er war während 12 Jahren der Safran-Zunftmeister. Heute widmet er seine Zeit der Safrankultur und seinen fünf Enkelkindern. Der 69-Jährige aus Mund war sein ganzes Leben lang ein Vereinsmensch. Er war sowohl Mitglied und Präsident von mehreren Musikvereinen wie der Musikgesellschaft Bryscheralp Mund und dem Bezirksmusikverband Brig, wie auch Mitglied des Gemeinderats von Mund. Stets für sein Dorf engagiert ist er heute Mitglied der Safranzunft und war bis 2014 gar Zunftmeister. Seit seiner Pensionierung vor neun Jahren widmet sich der gelernte Maurer voll und ganz seiner Familie und der Safrankultur.

Der Safran, eine Leidenschaft der ganzen Familie

Daniel Jeitziner wurde innerhalb von neun Jahren fünfmal Grossvater. Das ist beinahe ein Vollzeitjob. «Ich sage immer, dass Opa sein der schönste Beruf der Welt ist. Wir arbeiten tendenziell zu viel und die Zeit rast davon, ohne dass man es merkt», gibt er zu verstehen. Zeit mit der Familie verbringt er besonders viel während der Erntezeit. Der Safran, crocus sativus in Latein, blüht zwischen Ende September und Anfang November, je nach Wetterbedingungen. Es ist wichtig, die Blüten zu pflücken, bevor sie verwelken. «Es kann vorkommen, dass bis zu 2000 Blumen an einem Tag gepflückt werden müssen. In diesem Fall bitte ich meine Kinder und meine Frau um Hilfe», erklärt Daniel Jeitziner. «Die Safrankultur ist geteilte Leidenschaft in der Familie. Zwei meiner Kinder sind ebenfalls in der Safranzunft und sind Eigentümer eigener Anbauparzellen.» In den meisten Haushalten setzen sich Grosseltern, Eltern und Kinder an den Tisch, um den Blüten die Safranfäden zu entnehmen und dabei zu diskutieren.

Dank der Safranzunft lebt die Safrankultur weiter

der Schweiz wird der Safran seit dem 14. Jahrhundert angebaut, wobei die Einführung im Wallis auf zwei Theorien basiert. Entweder sei der Safran von Spanien und Südfrankreich her importiert oder von Pilgern, die auf dem Jakobsweg unterwegs waren, nach Mund gebracht worden. Eine Legende besagt, dass ein Söldner aus einem Land, in welchem die Ausfuhr von Safranzwiebeln mit dem Tod bestraft wurde, die Zwiebeln im Haarschopf eingenäht hatte und den Safran so ins Wallis brachte. Früher, als Mund noch ein von der Talebene abgeschiedenes Dorf war, stellte der Safran ein beliebtes Tauschmittel dar um Mais oder Reis zu kaufen.

Der Bau der Seilbahn im Jahre 1951 war für Mund die erste Verbindung ins Tal. Die Bewohner fanden Arbeit im Tal, so dass der Safran in den sechziger Jahren immer mehr vernachlässigt wurde. Die 1977 durch die Safrankulturen gebaute Strasse brachte den Safran dann fast total zum Erliegen. Es verblieben nur noch 200 bis 300 Quadratmeter Anbaufläche. Die Gründung der Safranzunft rettete den Anbau des Munder Safrans. «Heute verfügen wir über mehr als 18‘000 Quadratmeter Anbaufläche. Die Safrankultur ist eine sehr alte Tradition, die dem Dorf seine wahre Identität gibt», erklärt Daniel Jeitziner. Dank seinem trockenen Klima, den steilen und sandigen Hängen konnte die 500-Seelen-Gemeinde den Anbau dieses noblen Gewürzes fortführen. Der Safran aus Mund verfügt seit 2004 als erstes Gewürz in der Schweiz über die Ursprungsbezeichnung AOP. Zudem ist er Marke Wallis zertifiziert.

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