Walliser aus dem Norden

Der rosa leuchtende Himmel markiert das Ende eines sonnigen Wintertags. Hier im Trient-Tal ist es draussen schon kühl. Doch bei den Bekkers in Finhaut sorgt der Kamin für wohlige Wärme, während die Gäste ein Tockenfleisch-Plättli geniessen. «Wir sind Walliser geworden. Wir sind stolz auf unsere Region und wollen, dass unsere Gäste das ganze Wallis kennenlernen», erklären Ilse und Edward Bekker, zwei Niederländer, die ihre Liebe zu den Bergen vor mehr als zehn Jahren in Chamonix zufällig zusammengeführt hat. Heute leben sie mit ihrer siebenjährigen Tochter Lynn im kleinen Dorf Finhaut und betreiben dort ein Gästehaus. Denn die Schönheit der Berge wollen sie mit ihren Gästen teilen. Jeden Winter, von Dezember bis Mai, empfangen sie ihre Kunden aus dem Norden und werden dann zu begeisterten Botschaftern des Wallis.

Aus Liebe … zu den Bergen

Edward Bekker ist Bergführer – ein Beruf, der in den Niederlanden recht ungewöhnlich ist. Zudem kann er mit Stolz darauf verweisen, dass er der erste Niederländer war, der diesen Titel erhalten hat. Vielleicht war sein Beruf ihm aber doch vorherbestimmt, denn der Name des Dorfs Klimmen, in dem er aufwuchs, bedeutet im Niederländischen «Klettern». Bei seinem ersten Aufenthalt im Wallis, an den er sich erinnert, war er fünf Jahre alt. Damals machte seine Familie Urlaub in Zermatt. Später kam er im Sommer nach Champex, zum Wandern nach Trient und dann auch zum Skifahren nach Chamonix. Ilse arbeitete in Neuenburg und traf sich im Winter an den Wochenenden regelmässig mit Freunden in einem Chalet bei Orsières. In die Walliser Berge zu ziehen, war somit die logische Folge ihres Treffens. «Ich habe immer davon geträumt, im Wallis zu wohnen. Wir sind sehr froh, dass wir in einer solchen Umgebung leben können. Wir haben uns von Beginn an in Finhaut zu Hause gefühlt und wurden gut aufgenommen. Das liegt vielleicht auch an den Staudämmen, für deren Bau viele ausländische Arbeiter hierher kamen. So hat man sich im Dorf an Fremde gewöhnt», erzählt Ilse.

Der Schnee direkt vor der Haustür

Die Entscheidung für Finhaut kam für die beiden Wintersportfans nicht von ungefähr. «Viele Walliser glauben, dass das Dorf weitab von allem ist. Aber es liegt sehr zentral. Und wir haben hier den besten Schnee direkt vor der Haustür!», meint Edward. So ist er den ganzen Winter über zwischen dem Tal, den Ferienorten des Zentralwallis, Frankreich und Italien unterwegs, um seinen Gästen die besten Skitouren und Freeride-Strecken zu bieten. «An den schönsten Wintertagen stellen wir die Ski vors Haus und machen eine Tour auf den Bel Oiseau. Das ist einfach fantastisch!»  

Auch die siebenjährige Lynn ist bereits ein echter Skifan. Zunächst ist sie ums Chalet herum Schlitten gefahren, später hat sie dann am Babylift in Trient das Skifahren ausprobiert. «Wir haben ihr in gemütlichen Skigebieten wie Les Marécottes, Grimentz, La Fouly, Nax und Vichères-Bavon das Skifahren beigebracht», erzählt die Mutter.  «Auch wenn wir nur mit Erwachsenen unterwegs sind, fahren wir oft zum Skifahren dorthin. Diese kleinen Skiorte im Wallis sind echte Perlen.» Und Edward fügt hinzu: «Nachdem wir jahrelang in Chamonix waren, hat uns vor allem die Ruhe in den Walliser Skiorten gefallen. Ausserdem ist die Nähe zu Verbier ein grosser Vorteil. Und wir können schon im November auf die Bretter steigen.»

Familie auf verschneiter Terrasse
Die Bekkers aus den Niederlanden haben sich in die Walliser Berge verliebt.

Auf den Geschmack gekommen

Das Chalet der Bekkers ist die ganzen fünf Wintermonate über voll. Da oft ihre Hilfe als Ortskundige in Anspruch genommen wird, sind sie seit vier Jahren zu echten Kennern des Kantons geworden. «Für  Skitouren, zum Freeriden, für Abfahrten und Schneeschuh-Touren bietet das Wallis exzellente Bedingungen. Doch das ist längst nicht alles: Wir wollen immer etwas mehr bieten, damit es unseren Gästen hier rundum gefällt. Zum Beispiel ist ein gutes Eringer-Steak nach einem Tag im Schnee immer sehr beliebt, sogar bei den Niederländern», sagt er lachend. Denn die Bekkers bieten nicht nur zahlreiche Wintersportaktivitäten an, sondern beherrschen auch die Kunst der Gastfreundschaft. Wenn die Gäste ankommen, knistert das Feuer bereits im Kamin, und ein herrlicher Glühweinduft zieht durch den Raum. Und am letzten Abend in der Woche kommen alle traditionell zu einem Raclette zusammen. «Wir sind sehr glücklich, dass wir hier leben können, und möchten auch unsere Gäste an der Schönheit des Wallis teilhaben lassen. Und neben den Bergen gehören auch die Walliser Gaumenfreuden dazu», so Ilse.

Nächste Geschichte

Zu Gast im Paradies

Jetzt lesen