Schafe im Schlaraffenland

Dani und Karin Ritler sind noch etwas müde, aber sehr zufrieden. «Gerade waren 1500 Skilehrer und Skilehrerinnen aus der ganzen Schweiz zu Gast bei uns im Lötschental.» Dani und Karin haben sich mit viel Liebe um das leibliche Wohl der Gäste gekümmert. «Unsere Lamm-Bratwurst war der Hit.» Selbst diejenigen, die eigentlich kein Lammfleisch mögen, haben ein zweites Mal geschöpft.

Für die Fahrt durch das Lötschental gibt es wohl nur ein passendes Wort: pittoresk. Die Strasse führt durch Weiler und Dörfer nach Blatten. Dort, gleich neben dem Hotel Nest- und Bietschhorn liegt der Hofladen der Ritlers. Dani Ritler ist hier aufgewachsen. Nach ein paar Jahren in Bern ist er ins Tal zurückgekehrt und hat sich als Hobby ein paar Schafe zugelegt. Es wurden immer mehr. Das Hobby wurde zu einer professionellen Schafzucht mit über 180 Schafen.

Dani hat im Lötschental seine Berufung gefunden. Und seine grosse Liebe. Karin Ritler ist vom Salzkammergut ins Lötschental gekommen. Die ausgezeichnete Köchin organisiert die einzigartigen Caterings der Ritlers. Daneben kümmert sie sich um den hübschen Hofladen. Auch der 15jährige Sohn Nathanael macht mit. Seine Passion sind allerdings nicht Schafe sondern Hühner. Mit seiner kleinen Hühnerfarm versorgt er das Tal mit frischen Bio-Eiern.

Würste als Weltkulturerbe

2004 wurde der Hof der Ritlers von BioSuisse zertifiziert. «Für uns war das ein logischer Schritt.» Dani Ritlers Blick schweift über das Tal «Wir sind hier im Schlaraffenland für Schafe. Die Tiere weiden vom Frühling bis im Herbst auf Kräuterwiesen, die zum Weltkulturerbe UNESCO gehören. Mehr Bio geht nicht.» Das schmeckt man auch. Bei Dani gibt es das Lammfleisch in allen Varianten. «Wir verwerten alle Teile der Schafe und machen daraus nur das Beste – allein schon aus Respekt vor den Tieren.» Dani ermuntert seine Gäste und Kunden, auch mal was Neues auszuprobieren. Mit Erfolg. «Vor kurzem habe ich einen Wirt davon überzeugt, ein Lammvoressen auf die Karte zu setzen. Er war skeptisch – doch das Gericht wurde zu einem Renner.» Qualität überzeugt immer.

Dani und Karin Ritler sind voller Tatendrang. Ihr Innovationsgeist wurde darum auch mit dem AgroPreis vom Schweizer Bauer» und «Terre et Nature» ausgezeichnet. «Wenn du im hintersten Lötschental als Schafzüchter Erfolg haben willst, brauchst du gute Ideen.» Das Tal scheint ein guter Nährboden für neue Ideen zu sein. «Ja, es hat viele gute Leute hier im Tal. Ein Nachbar von uns züchtet hervorragende Bio-Galloway Rinder.» Der Zusammenhalt im Tal ist gross. Im benachbarten Hotel Nest- und Bietschhorn erhalten die Gäste selbstverständlich Lamm aus dem Hause Ritler.

Zu Fuss unterwegs im Lötschental
Unterwegs in und für das Lötschental: Dani und Karin Ritler.

Geniesser unter sich

In allem, was die Ritlers tun, tragen sie ihren Teil zur touristischen Attraktion des Lötschentals bei. So bekocht Karin Ritler kleine Gästegruppen mit einem wunderbaren Menu in ihrem Maskenkeller. Dani Ritler trifft man im Winter gemeinsam mit Gästen auf den Pisten im Lötschental an – er ist Skilehrer in der örtlichen Skischule. Und nicht zuletzt sind Dani und Karin grosse Geniesser. «Wir gehen sehr gerne in guten Restaurants essen und besuchen Winzer, das Wallis als grösste Weinbauregion hat ja viele herausragende Weine oder befreundete Produzenten in der Region.» Ihre Trouvaillen bieten sie in ihrem Hofladen an.

Gemeinsam mit Dani und Karin geht es zum idyllischen Stall. Die Schafe haben auch im Winter viel Auslauf – und eine wunderschöne Aussicht über das Tal. Hier bekommt der Begriff «artgerechte Tierhaltung» eine ganz neue Bedeutung. «Vor kurzem war eine chinesische Journalistin zu Besuch» erzählt Dani Ritler «Die konnte kaum glauben, wie schön es die Schafe hier haben – und wollte nicht mehr weg.» «Nun ja» ergänzt Karin lächelnd «Das lag vielleicht nicht nur an den Schafen, sondern auch an dir.» Dani fängt ein unschuldiges Lämmchen ein und hebt es liebevoll hoch. Karin umarmt ihn. Die beiden haben ihr Glück gefunden. Zum Glück für alle Geniesser.

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